Fanarbeit richtet ihre Arbeit an Menschen oder Gruppen im Sozialraum Fankurve, motiviert diese zur aktiven Gestaltung ihres Lebensraumes und fördert eine aktive, kreative Fankultur. Fanarbeit betrachtet deshalb den Fußballfan bzw. die Fankurve nicht in erster Linie als Risikofaktor, sondern als Mensch bzw. Bewegung mit kreativen Ressourcen und Potenzialen, die es zu fördern und anzuerkennen gilt.
Fanarbeit ist unabhängig und steht nicht im direkten Einflussbereich des Vereins, der Polizei, der Liga oder anderen Akteur_innen und deren Eigeninteressen. Fanarbeit fühlt sich nur den Interessen und Bedürfnissen der Fanszene verpflichtet. Fanarbeit bedeutet Zusammenarbeit mit Fans – auf Augenhöhe, ohne Bevormundung, dafür partnerschaftlich, fair, respektvoll und gleichberechtigt.
Fanarbeit ist auf die Akzeptanz und auf das Vertrauen der Fanszenen angewiesen. Bereits bei der Entwicklung von Fanarbeitskonzepten ist es wesentlich, dass die aktive Fanszene und ihre Meinungen miteinbezogen werden.
Fanarbeit schlägt Brücken und leistet eine wichtige Vermittlungsarbeit zu den verschiedenen Interessensgruppen. Damit Fanarbeit greifen kann, ist neben einem Vertrauensverhältnis zu den Fans eine sehr gut Vernetzung zu den weiteren Akteur_innen im Umfeld der Fußballfans notwendig, z.B. zur Geschäftsführung des jeweiligen Fußballvereins, zu den Sicherheitsverantwortlichen und den Fanbeauftragten des Vereins, zu Polizei und Ordner_innendienste sowie zu lokalen Netzwerken der Jugendarbeit bzw. Streetwork.
Fanarbeit braucht keine verkrusteten, starren Strukturen. Unterschiedliche Modelle, um Fanarbeit umzusetzen sind möglich. Zum Beispiel
• als selbständiger Trägerverein
• im Rahmen einer Leistungsvereinbarung mit einer bestehenden städtischen Einrichtung im Bereich der offenen Jugendarbeit (mobile Jugendarbeit, Streetwork, etc.)
• im Rahmen einer Faninitiative oder eines Fanladens
• oder, wie in Deutschland, der Schweiz und Polen, im Rahmen von Fanprojekten
In Deutschland, wo Fanarbeit auf eine 30jährige Erfolgsgeschichte blicken kann, werden Fanarbeitsprojekte über eine Drittelfinanzierung von Land, Stadt und Fußballverband/Bundesliga subventioniert. Diese breite Förderstruktur schützt die Fanprojekte auch vor der Einflussnahme einzelner Akteur_innen und garantiert die Unabhängigkeit der geleisteten Fanarbeit.
Die personelle Ausstattung eines Fanarbeitsprojekts muss sich an den lokalen Gegebenheiten und Möglichkeiten orientieren. Professionelle Fanarbeiter_innen müssen sich zu 100% ihrer Tätigkeit widmen können. Abgesicherte Vollzeitstellen (wenn möglich in einem Angestelltenverhältnis) und eine angemessene Entlohnung sind daher essentiell um professionelle Fanarbeit betreiben zu können. Es ist auch darauf zu achten, dass der Aufgabenkatalog realistisch und mit genügend Ressourcen abgedeckt wird und im Team auf mindesten eine Person mit einer abgeschlossenen Ausbildung im Bereich der sozialen Arbeit zurückgegriffen werden kann.

