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Was ist Fanarbeit?

Was kann Fanarbeit?

Warum Fanarbeit?
Fanarbeit hat einen solidarischen, parteilichen und kritischen Arbeitsansatz auf der Basis von Vertrauen, Freiwilligkeit und partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit den Fans. Ihr Ziel ist es, der sozialen Ausgrenzung und Stigmatisierung junger Fans entgegenzuwirken, ihrer Fankultur mit Respekt und Unterstützung zu begegnen, ihnen einen geschützten Raum für ihre Kreativität und ihr Engagement zu bieten. Im Falle kritischer Lebenssituationen kann konkrete Hilfe angeboten werden. Fanarbeit sieht dabei die Person in ihren gesamten Lebenszusammenhängen.

Demgegenüber arbeitet die Polizei fallorientiert. Sie fasst Fans aufgrund eventueller, strafrelevanter Aktionen ins Auge und sieht somit nur einen geringen Ausschnitt ihrer Fankultur, der einzelnen Personen und ihrer Lebensumstände. Die Polizei sieht Fans ausschließlich als Sicherheitsrisiko.

Gibt die Polizei vor, präventive Fanbetreuung zu leisten, werden zum einen große Unvereinbarkeitsprobleme sichtbar, zum anderen fehlt dadurch aber auch die Erkenntnis, dass sich polizeiliche und sozialpädagogische Praventionsarbeit elementar voneinander unterscheiden. Ein wesentliches Problem liegt vor allem im mangelnden Verständnis darin, was Fanarbeit ist und was Fanprojekte leisten können bzw. in ihrer Fehlinterpretation und Instrumentalisierung.


Trotz einiger äußerst engagierter Vereinsmitarbeiter_innen bei so manchem Fußballverein, ist die durch den Vereine geleistete Fanbetreuung oft nicht, oder in zu geringem Maße vorhanden. Gründe sind zumeist Geld- und Personalmangel oder auch das prinzipielle Desinteresse bzw. Informationsmangel bzgl. einer professionellen Fanarbeit. Weiters lassen sich Vereins- und Faninteressen gerade im Bereich Sicherheit und wirtschaftlicher Vermarktung meist nicht miteinander verbinden. Eine unabhängige, parteiliche Arbeit für und mit Fans, wie dies Fanarbeit anbieten kann, ist somit für Vereinsmitarbeiter_innen meist unmöglich.



Was kann Fanarbeit?

Die drei elementaren Grundsätze sozialpädagogischer Fanarbeit sind Freiwilligkeit, kritische Parteilichkeit und Anonymität.

Freiwilligkeit meint, dass sich Frequenz, Inhalt und Dauer der Kontakte zu den Fanarbeiter_innen nach den Wünschen und der Akzeptanz der Fans richtet.

Kritische Parteilichkeit stellt die Lobby-Funktion von Fanarbeit in den Vordergrund. Anders als Polizei und Vereinsvertreter_innen sind Fanarbeiter_innen nur an die Interessen der Fans gebunden. Sie stehen im Mittelpunkt der Fanarbeit. Voraussetzung hierfür ist eine sensible Wahrnehmung von Bedürfnissen und Problemlagen der Fans und eine akzeptierende Haltung ihren Handlungsweisen gegenüber. Hier kann durchaus auch von einer Anwaltfunktion gesprochen werden, die Fanarbeit in der Öffentlichkeit einnimmt. Problemlagen, Bedürfnisse und (alternative) Lösungsansätze können so, unter Rücksprache und in Zusammenarbeit mit den Fans, leichter an eine breitere Öffentlichkeit heran getragen werden. Dabei geht es vor allem darum, für die Fankultur in ihrer Ganzheit mehr gesellschaftliche Akzeptanz zu erreichen. Also nicht nur die erwünschten Ausprägungen, wie die gute Stimmung im Stadion, die prachtvollen Choreographien oder Fußballfan-Turniere zu goutieren, sondern auch das rebellische Moment dieser Jugendkultur als sinnhaft und sinnstiftend zu erkennen und ernst zu nehmen.

Der Leitsatz der Anonymität ist Grundvoraussetzung für ein Vertrauensverhältnis zwischen Fans und Fanarbeiter_innen. Daten und Informationen über Fans werden, im Unterschied zur polizeilichen oder Vereinsbetreuung, keinesfalls weitergegeben, außer auf Wunsch und mit Einverständnis der Betroffenen.  

Professionelle Fanarbeit zeichnet sich durch eine Vielzahl von Kriterien aus. So ist die Milieunähe ein ausschlaggebender Faktor. Eine gute Fanarbeit ist eng an die Nähe zur Fanszene gebunden. Die Fans werden an ihren Orten, zu ihren Bedingungen aufgesucht. Bereits vorhandene Potentiale und Ressourcen, etwa die enorme Kreativität der Fans, sollen gefördert und ausgebaut werden, um ein positives Selbstbild zu stärken.

Auf die spezielle Situation und Bedürfnisse von Frauen und Mädchen im Fußballkontext kann professionell eingegangen und zielgerichtet Mädchenarbeit betrieben werden.

Flexibilität und Mobilität der Fanarbeiter_innen ist dabei oberstes Gebot. Die Arbeit in diesem Feld erfordert die Anpassung an den Lebensrhythmus der Fans und die Möglichkeit der unbürokratischen und niederschwelligen Angebotsannahme durch die Fans. Die räumliche und zeitliche Verfügbarkeit der Fanarbeitsangebote muss daher sehr flexibel sein.   

Fanarbeit umschließt eine Vielzahl von niederschwelligen, sozialpädagogischen Angeboten. Durch Beziehungsarbeit und das daraus gewonnene Vertrauen können private und berufliche Probleme gemeinsam angegangen und bearbeitet werden, immer unter der Voraussetzung, dass die betroffenen Fans dies wünschen. Fanarbeit steht für eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Fans und unterliegen keiner Anzeige- oder Meldepflicht. Dadurch ist es möglich, eine andere Qualität des Kontakts zu den Fans herzustellen. Fanarbeit beinhaltet Beratungsangebote und konkrete Einzelfallhilfe für Jugendliche, um sie bei der Bewältigung von Krisen und schwierigen Lebenssituationen zu unterstützen. Dabei muss das Motto `Hilfe zur Selbsthilfe´ lauten, um bei den Betroffenen eigene Problemlösungskompetenzen zu entwickeln. Es gilt gezielte Bildungs- und Berufsförderungsmaßnahmen bei jungen Fans zu forcieren, um individuelle Zukunftschancen zu verbessern und im gegebenen Fall die soziale Integration zu erleichtern.

Fanarbeit gibt aber auch die Möglichkeit, gewaltfreie Konfliktlösungen zu erleben und zu erlernen. Rassistische, antisemitische, homophobe und sexistische Tendenzen werden im Rahmen der Fanarbeit aufgezeigt, thematisiert und gemeinsam bearbeitet. Gezielte freizeitpädagogische Angebote werden offeriert, um die positiven individuellen Ressourcen der Jugendlichen zu optimieren.

Um diese Angebote umsetzen zu können, muss eine finanzielle und personelle Autonomie, eine, vor allem finanziell, gesicherte Kontinuität des Angebotes und anderer Rahmenbedingungen (Finanzierung und Bereitstellung räumlicher Ressourcen, eine adäquate Sachausstattung, freie Hand bei der Wahl der Vorgangsweisen und Angebote usw.) gewährleistet sein.




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